
Die 1994 im Böhlau-Verlag erschienene Dissertation untersucht das Gesamtwerk Dürrenmatts unter dem Aspekt der Bildlichkeit. Bis heute wird das Buch als Fundgrube für Interpretationsansätze der Dramen, Erzählungen und Essays dieses beliebten Querdenkers genutzt.
Besonders wenn es um das Bild der Frau bei Dürrenmatt geht, wird dieser Band der „Kölner Germanistischen Studien“ gerne herangezogen.
Funktion und Bedeutung der Metaphorik, Symbolik und Parabolik im Gesamtwerk Dürrenmatts werden in diesem Buch umfassend untersucht.
Im Zeitalter des Computers bleibt die gängige Praxis, Metaphorik und Symbolik an Hand von ausgewählten Beispielen zu analysieren, unbefriedigend. Daher wurden mittels EDV über 12000 bildliche Textstellen quantitativ erfasst und systematisch ausgewertet. Durch Graphiken wird der sich wandelnde Gebrauch der Bildarten und der bevorzugten Bildfelder innerhalb der fünf Schaffensjahrzehnte des Autors veranschaulicht. Darüber hinaus legt die Untersuchung die zentrale Bedeutung der Symbolik bei den Dramen und die der Metaphorik im essayistischen Werk dar.
Marita Alami Die Bildlichkeit bei Friedrich Dürrenmatt Computergestützte Analyse und Interpretation mythologischer und psychologischer Bezüge Böhlau-Verlag Köln 1994 VIII, 266 S. gebunden, inkl. Stichwortverz. ISBN: 978-3-412-05694-0 (Band 35 der Kölner Germanistische Studien Hsg. von: Walter Hinck, Hans D. Irmscher, Werner Keller, Hans-Jürgen Linke, Johannes Rathofer und Rolf Christian Zimmermann) |
Auf der Textebene ist die bekannte Aussage „Meine Geschichten sind alle Gleichnisse“ ernst genommen und aus literaturwissenschaftlicher Sicht überprüft worden. Ausgehend vom Urbild-Begriff Dürrenmatts konnte tatsächlich eine gleichbleibende Grundstruktur der fiktionalen Texte nachgewiesen werden.
Dabei stellte sich heraus, dass die Minotaurus-Labyrinth-Thematik in den Dramen und Erzählungen nicht nur allgemein-philosophische, sondern auch emotional-psychologische Gehalte transportiert: Auf faszinierende Weise zeichnet Dürrenmatt ein schonungsloses Bild der Geschlechterproblematik in der heutigen Zeit.
Die objektivierende Vorgehensweise und der zwischen ‚Mann‘ und ‚Mensch‘ unterscheidende Interpretationsansatz dieser Arbeit sind auf andere Autoren ebenso anwendbar.